Starke Nerven, everybody! 💪🏼🤪

Es lebe unser Au Pair 😍

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Au Pair – machen oder nicht?

Irgendwann kommt jede Familie an den Punkt, an dem sie der Kinder-Orga-Aufwand in den Wahnsinn treibt und sie zumindest mal drüber nachdenkt: ein Au Pair aufzunehmen.

Wir sind seit mehreren Jahren im Club, in gut einer Woche kommt unser neues Au Pair aus Marokko und wir sind gespannt, wie es wird. Denn wenn wir eines im Laufe der Jahre gelernt haben: Ein Au Pair ist immer ein Überraschungsei.

Du kannst noch so viel schreiben und skypen am Anfang. Wie die Person wirklich ist, lernt man erst zuhause.

Ich habe mittlerweile so viel erlebt mit Au Pair-Mädchen – was für den einen oder anderen von Euch vielleicht nützlich ist. 😅

Was kostet ein Au Pair?

Vielleicht ein bisschen unemotional, erst mal mit der finanziellen Seite zu starten, aber die spielt für viele Familien eben die Hauptrolle. Daher: Alles in allem sind die Fixkosten bei einem Au Pair 500 Euro im Monat.

Pro Monat 260 Euro Taschengeld, 40 Euro Versicherung, 50 Euro Sprachkurszuschuss, Monatsticket für die Öffis (bei uns knapp über 90 Euro), Verpflegung. Da wir unser Au Pair in einer WG unterbringen, kommt das natürlich obendrauf, plus Handyvertrag, den wir übernehmen (der mit zehn Euro aber nicht wirklich zu Buche schlägt).

Was ist toll am Au Pair-Modell?

Ganz viel! Die Flexibilität zb, ich muss manchmal spontan länger bleiben, schreibe eine WhatsApp und weiß, dass die Kids gut vom Kindergarten abgeholt werden. Unsere Au Pairs kaufen auch ein und helfen im Haushalt mit (keine Sorge, kein Putzen, bevor hier jemand meckert 😉).

Ich schätze auch sehr, dass meine Kinder von klein auf neue Kulturen kennen lernen. Menschen, die anders aussehen und sprechen, zu unserem Au Pair aus Honduras und aus Venezuela haben sie einen sehr engen Kontakt aufgebaut und als alte Erasmus-in-Spanien-Muddi freut es mich, dass sie mittlerweile alle auf spanisch zählen können. 😇

Was ist nicht so toll?

Dass es jedes Jahr wieder von vorne los geht…. die Sucherei…. das Checken von bestimmt 100 E-Mails von Au Pairs (ich mache alles ohne Agentur sondern über Facebook), das unzuverlässige Rückmelden, das Kontakt-aufnehmen… dann die Bürokratie und der Schock, wenn die Botschaft das Visum verweigert (1x passiert). Die Anlaufphase zuhause. Zum Bürgeramt, zur Bank, zum RMV an der Hauptwache, alles zeigen, Urlaub nehmen für die Einarbeitung, etc.

Und natürlich gibt es auch den Fall, dass die Chemie überhaupt gar nicht stimmt. Bei unserem ersten Au Pair aus Madagaskar war das nach einem Tag schon klar (siehe Unser Au Pair – das Desaster des Jahrhunderts), bei einem anderen Au Pair habe ich mich durch das Jahr gekämpft, viel zu viel durchgehen lassen und bin im Nachhinein der Meinung, dass ich es hätte abbrechen sollen.

Wie finde ich das „richtige“ Au Pair?

Ich habe mittlerweile ein richtiges „Casting“-System ausgeklügelt: Zuerst mache ich einen kurzen Post in 3-4 Facebook-Gruppen (zB „Au Pair in Germany“). Wer mir daraufhin schreibt, bekommt eine Email (deutsch oder englisch) mit allen Infos über uns zugeschickt. Was machen wir beruflich, wie sind wir drauf, was sind die Au Pair Aufgaben.

Ganz unten in dieser Email steht: Wenn du jetzt immer noch interessiert bist, schreibe mir eine Whatsapp. Nur so kann ich sicherstellen, dass das Au Pair alles gelesen hat, „so wenige Überraschungen wie möglich“ ist ja mein großes Motto. Wer sich dann tatsächlich noch per Whatsapp meldet, mit dem nehme ich Kontakt auf und mache ein bis zwei Skype- oder Whatsapp Video-Gespräche, bevor es dann heißt: Top oder Flop.

Tipp: Erwartet nicht, dass das Au Pair bei Euch zuhause genau so agil ist, wie ihr es beim Skypen wahrgenommen habt. Dort sind sie in ihrer eigenen Umgebung und fühlen sich wohl – bei dir zuhause sind sie erst einmal neu. Eingeschüchtert, wortkarg, unsicher. Von der Lebendigkeit kann man dann gleich mal 50% abziehen. Das im Hinterkopf zu haben, kann sicher nicht schaden.

Wie wichtig sind die Sprachkenntnisse?

Am Anfang dachte ich: Niveau B1 muss schon sein. Mittlerweile bin ich schlauer. Je nach Lebendigkeit des Au Pairs kommt man auch mit dem Mindestniveau A1 gut zurecht. Und, das klingt jetzt vielleicht ein bisschen berechnend (ist es auch): Nicht die besten Sprachkenntnisse haben einen Vorteil: Sie machen es zumindest unwahrscheinlicher, dass das Au Pair die Biege macht. Sobald B2 erreicht ist (mit diesem Niveau kann man sich für viele Jobs bewerben) kann man sich gedanklich schon verabschieden, dann streben die meisten nach Höherem und das ist ja auch ok so!

Reichen die 50 Euro Sprachkurs-Zuschuss?

Klare Antwort: nein. Bleibt das Au Pair ein ganzes Jahr hat es Anspruch auf 600 Euro – in Frankfurt reicht das gerade mal für 1 1/2 Sprachkurse. Der an der Volkshochschule kostet 390 Euro und ist damit immer noch der günstigste, ein Intensivkurs. Jeden Tag von 9-13 Uhr. Vier Wochen lang. Dann ist Sense.

Meiner Meinung nach kein Zustand, dass sich ein Au Pair nur so wenige Sprachkurse leisten kann. Ich denke, da sollten sich die Familien nach Möglichkeit etwas großzügiger zeigen und mindestens einen zweiten Sprachkurs sponsoren. Zum Geburtstag, zu Weihnachten oder einfach nur, weil das Au Pair einen super Job macht.

Wie kann ich meinem Au Pair einen guten Start ermöglichen?

Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, den neuen Au Pairs ein Willkommenspaket zu schnüren: Kommen sie im Oktober, gibt’s zb als kleines Geschenk eine schicke Mütze oder einen Schal. Ein Gutschein von dm oder Rossmann ist immer gut, je nach Herkunftsland bringen die Mädchen nicht einmal Hygieneartikel mit, weil sie es sich schlicht nicht leisten können. Ein Stadtplan, eine Übersichtskarte für U-, S- und Straßenbahnen.

Ich tausche jedes Mal die Fotos aus, die im Au Pair Zimmer hängen – stalke die Mädels dafür vorher noch einmal eine schöne Runde auf Facebook, drucke die schönsten Fotos aus und packe sie in die bereits hängenden Rahmen.

Ich empfehle, dass einer von beiden (Mutter oder Vater) sich eine Woche Urlaub für die Einarbeitung nimmt: Alle wichtigen Wege schon mal abfahren oder abgehen, das Fahrrad oder das Auto erklären, alle wichtigen Ansprechpartner in Schule oder Kindergarten kennenlernen und dafür sorgen, dass Kinder und Au Pair sich entspannt und ohne Druck kennen lernen können.

Welche Fehler kann man als Familie machen?

Dass man nicht von Anfang an ALLES klar kommuniziert. Gedanken wie „das kann ich ihr in zwei Wochen ja noch mal sagen, wenn sie besser eingegroovt ist“, sofort zur Seite schieben, denn alles, was später gesagt wird, wirkt wie eine Schelte.

Natürlich ist das manchmal nicht zu vermeiden, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es unabdingbar ist, sich die ersten Tage hinzusetzen und ALLES durchzusprechen mit Details, die einem selbst vielleicht lächerlich erscheinen: Beim Rausgehen: Licht aus. Kein Fenster auf und Heizung an, kein ständiges Handygeglupsche wenn die Kinder da sind. Die Kleidung bitte nicht in den Kleiderschrank auf links gedreht WERFEN, sondern vorher zusammenlegen… (🤣 aber kein Witz).

Das allerwichtigste: Macht Euch locker

Eine italienische Mama hat mal zu mir gesagt, dass wir deutschen Mütter es uns besonders schwer machten. Alles muss immer so perfekt sein. Die Ernährung gesund, unbedingt erst ein Stück Paprika, bevor es einen Keks geben darf. Fernsehen nur 20 Minuten abends, bloß keine Minute mehr…. und ich verstehe, was sie damit meint 🤪😇

Mit Au Pair im Haus ist man gut beraten, sich davon zu lösen. Schließlich ist nun eine neue Person da, die anders tickt, andere Gewohnheiten hat und sicher nicht alles haargenau so kann, wie wir es wollen. Unsere Au Pairs konnten bisher alle ÜBERHAUPT gar nicht kochen. Es gab Tiefkühlpizza und Nudeln mit Pesto wenn ich nicht da war. Da hilft nur ein gepflegtes „So what!“ und die Erinnerung daran, dass das wichtigste ist, dass die Kinder mit dem Au Pair connecten und zusammen eine gute Zeit haben. 😍

Die Au Pair-Delle

Eine Beobachung habe ich noch gemacht: Nach gut einem Monat lässt das Engagement von einigen Au Pairs plötzlich nach. Vier Wochen lang ist richtig Gas geben angesagt und als Au Pair-Eltern ist man total happy und geflasht. Anschließend wird’s etwas sagen wir mal „legerer“, das nur für Euren Hinterkopf.

Au Pairs und Nebenjobs

Wer als Au Pair nach Deutschland kommt, hat meistens wenig Geld – 260 Euro Taschengeld ist auch echt nicht die Welt, so dass viele sich zusätzlich einen Nebenjob suchen. Ich muss hier glaub ich nicht aufschreiben, dass das eigentlich nicht legal ist, schließlich ist das Au Pair Visum eben kein Arbeitsvisum.

Nichtsdestotrotz: Wenn die Mädels sich etwas dazuverdienen wollen – von mir aus, solange, und das ist der entscheidende Punkt, es die Au Pair Arbeit zuhause in der Familie nicht beeinträchtigt.

Wir hatten ein Au Pair aus Albanien, das sich gleich im zweiten Monat einen Job als Babysitterin geholt hat, zwei Mal die Woche vormittags, ein 10 Monate alter Junge. Das geht natürlich gar nicht. Schließlich hatte ich mir extra ein Au Pair geholt, damit ich auch einen Standby habe, wenn der Kindergarten anruft („Kind krank, abholen bitteeeeeee“). Ich arbeite als Radiomoderatorin und komme nicht spontan aus dem Studio raus, mein Mann ist häufig auf Dienstreise… sprich: Diesen Nebenjob musste ich unterbinden.

Damit der Flunsch unseres Au Pair daraufhin aber nicht ins unendliche gezogen wurde, haben wir ihr einen dritten Sprachkurs gesponsort. Dinge, die ich heute nicht mehr machen würde.

Unsere anderen Au Pairs haben bei anderen Familien am Wochenende oder Abends gebabysittet oder in einem Restaurant gekellnert – und das war für mich absolut ok!

Was, wenn ein Au Pair länger bleiben möchte?

Sad but true: 12 Monate Au Pair, danach ist Schluss, Verlängerung nicht möglich – so sehr wir uns das auch bei unserem Au Pair zb aus Honduras gewünscht hätten. Wer danach in Deutschland bleiben will, kann entweder studieren (und eine Bürgschaft von etwa 10 000 Euro hinterlegen) oder als Sprachschüler in Deutschland bleiben oder heiraten oder eine Ausbildung machen. Habe ich gerade alles von unserem Au Pair aus Venezuela gelernt, die sich für letzters entschieden hat und nun eine Ausbildung zur Arzthelferin macht.

Der erste Monat: Auch für die Familie anstrengend

Um ehrlich zu sein, schiebe ich die ersten vier Wochen mit einem neuen Au Pair ziemlich viel Frust und träume dann davon, wie es wäre, eine Nanny zu haben, die einfach über zehn Jahre bleibt und der ich nicht alles wieder von Neuem erklären muss. In den ersten vier Wochen bleibt einfach noch super viel an der Mama hängen, viel Hinbringen und Abholen, Einkaufen, Listen schreiben etc. Die Kinder müssen sich auch erst an das Au Pair gewöhnen, das Au Pair sich an die Kinder – die ganze Familie muss sich neu finden. Das Au Pair erfährt, dass es auch mal strenger sein kann, um den dreijährigen Wildfang in die Schranken zu weisen, die Mama muss schauen, mit welchen Au Pair-Aktivitäten sie ein gutes Gefühl hat und mit welchen nicht (Kinder mit Öffis zum Turnen fahren zb ist mit unserem aktuellen Au Pair keine gute Idee)….

So, das war viel Holz: Wer Fragen zum Thema Au Pair hat, gerne!

Ich freu mich übrigens schon sehr auf Weihnachten, das feiern wir dieses Jahr mit Au Pair aus Marokko und altem Au Pair aus Venezuela, quasi mit Au Pair-Starbesetzung🌟🌟😃

Au Pair-Abschied 😢🙋🏻‍♀️🇭🇳

(Geschenkpapier bitte ignorieren 😬)

Schluchz! Heul! Jetzt ist es soweit: Das Au Pair-Jahr von Nicole aus Honduras ist vorbei, sie muss zurück in ihre Heimat. Sie war unser drittes Au Pair-Mädchen und sie war ein absoluter Volltreffer. Ultra entspannt, zuverlässig, lieb, freundlich, immer fröhlich. Da kann man sich als chronisch gestresste Muddi echt noch was abgucken!

An das Au Pair-Mädchen vor Nicole können sich die Kids kaum noch erinnern. Sie hat in ihrem Jahr bei uns kaum eine emotionale Verbindung aufgebaut und ist damals gegangen, ohne den Kindern Tschüß zu sagen (für mich immer noch unerklärlich)…

Bei Nicole war alles anders. Die Kids haben sie geliebt. Sobald meine kleine Tochter sauer war, hat sie nach „Nicoooooooole“ gerufen und in den Nächten vor ihrem Abschied sind viele viele Tränen geflossen.

Wir werden sie sehr vermissen und freuen uns riesig, wenn sie wieder nach Deutschland bzw. vielleicht sogar Frankfurt kommt! ❤️

Au Pair „auslagern“ – wir haben es gemacht

Zimmer kurz nach Möbelaufbau (inzwischen NOCH gemütlicher 😅)

Ich weiß, die Platz-Problematik ist ein gern genommener Grund, um sich GEGEN ein Au Pair zu entscheiden, aber in unserem Fall kann ich aus vollster Überzeugung sagen, dass das Ende der räumlichen Fahnenstange erreicht ist bzw. war.

Unsere Wohnung ist etwas größer als 100 Quadratmeter und hat vier Zimmer – zwei Jahre lang haben wir hier zu sechs gelebt. Ein Zimmer fürs Au Pair, ein Zimmer für die Kleine (die nur alleine schlafen kann), ein Wohnzimmer für alle tagsüber und ein Schlafzimmer, in dem wir zu viert geschlafen haben. Als ich eines Abends mal wieder in das Schlachtfeld kam, etliche Bücher flogen auf dem Boden rum, Superwings-Figuren und kleines Lego überall ausgebreitet, war mir klar: Das geht so nicht weiter. Wir brauchen mehr Platz!

Da traf es sich gut, dass Bekannte von uns vor ein paar Monaten ganz in der Nähe eine Wohnung gekauft hatten und die Zimmer einzeln vermieten wollten. Alles klar, das machen wir, Baby! Die Wohnung ist zehn Fußminuten entfernt, sie ist schick und neu, das Zimmer hat 10 Quadratmeter und ist niedlich, in der Wohnung lebt noch eine junge Frau, Berufsanfängerin und neu in Frankfurt.

Vor gut einem Monat ist unser Au Pair Nicole dort eingezogen – ganz ehrlich: Sie ist das tollste Au Pair, das wir je hatten, sie ist so fröhlich, freundlich und es ist einfach schön, sie um sich zu haben. Mit ihr hätten wir uns noch lange weiter auf 105 Quadratmetern gequetscht, aber: Ich wollte mir die Chance auf dieses Zimmer, an dem eigentlich alles passt, nicht entgehen lassen. Schließlich werden wir noch länger auf das Au Pair-Modell bauen und vielleicht wird es wieder mal das eine oder andere Mädchen geben, bei dem etwas mehr Abstand auch ganz gut tun kann.

Ich hatte das mega schlechte Gewissen, Nicole von dem Zimmer zu erzählen. Aber, als ich irgendwann damit rausrückte, fand sie es total klasse. So könne sie abends auch mal ihre Freunde mit in die Wohnung nehmen. Absolut! Shakaaa! 💪🏼 Wir sind zu Ikea gefahren und haben noch ein paar neue Möbel gekauft, Kleiderschrank, Bett, Matratze, Zimmerpflanze. Ein paar Sachen hat sie von hier mitgenommen, alles passt wunderbar.

Nach einem Monat „ausgelagertem Au Pair“ kann ich sagen: Es ist schon etwas anderes. Der persönliche Kontakt wird unglaublich eingedampft. Bei uns gibt es bisher wenig Regelmäßigkeit bei meinen und damit auch Nicoles Arbeitszeiten, so dass viel auf „Zuruf“ passierte. Daraus werden nun „Zu-Whatsapps“. Und: Wenn ich die Kids morgens mal selbst wegbringe, sitze ich dann mit dem ganzen Chaos alleine hier – vorher haben wir uns alles geteilt und jeder hat eben das gemacht, was gerade anfiel. Das kann Nicole nun, wo sie in einer anderen Wohnung lebt, natürlich nicht mehr leisten und ich werde sie auch ganz sicher nicht hierherkommen lassen, nur um eine Ladung Wäsche aufzuhängen.

Ach ja, was wir ja auch nicht vergessen dürfen: Natürlich kostet dieses Auslagern eine dicke Stange Geld. Im Grunde verdoppeln wir unsere monatlichen Au Pair-Ausgaben damit. Aber nachdem wir alles durchgerechnet haben, war uns klar: Es ist immer noch günstiger als eine Nanny oder Tagesmutter, die täglich drei Stunden kommt und die Kindergarten Randzeiten überbrückt. Schließlich gibt es ja noch dieses Phänomen, bei dem alle working Moms und Dads regelmäßig die Hände über dem Kopf zusammenschlagen: Kinderkrank! Das kann nur ein zeitlich flexibles Au Pair übernehmen. Keine Sorge, wenn’s was richtig ernstes ist, bleib ich auch zuhause, aber häufig sind es einfach nur Erkältungen, die sich über Tage oder sogar Wochen ziehen. Als Freiberufler kommt man da ganz schnell ins Rechnen und kommt immer wieder zu dem Ergebnis: Ein Au Pair lohnt sich – selbst, wenn es ausgelagert wird (und vor allem: wenn es so toll ist wie unsere Nicole. Was werden wir heulen, wenn sie in drei Monaten wieder gehen muss 😫😢).

Ein Au Pair löst alle Mama-Probleme? Nein!

gepostet von Julia

Es ist verrückt – wir haben ein Au Pair, ein tolles, nettes, offenes, lustiges, anpackendes. Sie hilft mehrere Stunden pro Tag tatkräftig mit, bringt die Kids in den Kindergarten, räumt auf, kauft ein, holt häufig die Kids auch ab, denkt eigenständig mit (!!! endlich muss ich nicht mehr alles vorher aufschreiben….) und trotzdem werde ich dieses Hamsterrad-Feeling einfach nicht los.

Ich habe das Gefühl vor einer niemals endenden To Do-Liste zu sitzen. Ständig schreibe ich etwas Neues auf unser White Board im Wohnzimmer (das eigentlich mal eine Vokabelhilfe-Tafel für unser Au Pair sein sollte.) Impftermine abmachen – und durchziehen -, Anmeldung für den Balletunterricht ausfüllen, die Dachfenster endlich mal kindersicher machen, Gummistiefel-Bestand im Kindergarten updaten (damit Sie 1x im Jahr getragen werden, aber darüber zu diskutieren würde noch länger dauern), Kinderklamotten aus dem Keller holen, sortieren und wieder runterschaffen, den Rucksack für den Waldausflug vorbereiten, bei der Bank nachfragen, warum es mit der Kontoeröffnung für unser Au Pair so lange dauert, den Apothekerschrank winterfest machen, Termine für längst fällige Playdates (auch mal wieder bei uns) organisieren, Schaukel bei eBay Kleinanzeigen einstellen, den überbordenden Stapel an Kindergemälden unauffällig aussortieren, Geschwisterbestätigung beim Stadtschulamt beantragen, …es hört nicht auf.

Das sind die Dinge, die dir ein Au Pair eben nicht abnehmen kann. Dieses Mit- und Vordenken, organisieren und planen. Die vielzitierte „Care“-Arbeit, das Drumherum, das Gefühlige (Geschenke!).

Ein Au Pair ist super, wenn du keine Oma in der Nähe hast. Wenn du über die Kindergarten- oder Hort-Öffnungszeiten hinaus arbeiten musst und wenn sich deine Arbeitszeiten ständig ändern. Alles bei mir der Fall. Heute bin ich zb um 6 Uhr aus dem Haus für einen Dreh in Nordhessen, gegen 18 Uhr wieder daheim. Ohne unsere Nicole nicht möglich. Ich bin so froh, dass wir sie haben und wir uns darüber hinaus auch gut verstehen. Sie ist der absolute Au Pair-Volltreffer!

Aber ich weiß auch: Wenn ich gleich wieder zuhause bin, geht es von 0 auf 100. Kaum bin ich da, bin ich (natürlich) die Ansprechperson Nummer 1, alles wird nach mir rufen, etwas wollen, an mir zerren – obwohl ich an einem Tag wie heute am liebsten einfach nur totenfertig ins Bett sinken würde. Und wenn ich mal einen Tag frei habe (mein Mann versteht das bis heute nicht), mache ich dann doch wieder alles. Weil es sich für mich einfach komisch anfühlt, mir dann die „Kinder-Arbeit“ von meinem Au Pair abnehmen zu lassen. Ich will ja auch mal wieder auf die Kindergarten-Pinnwand schauen, um zu gucken, welche Termine demnächst wieder in meinem Kopf herumgeistern werden. 😬 Nein, mal ehrlich… da komme ich einfach nicht aus meiner Muddi-Haut!

Aber so ist es halt. Ein Au Pair hilft, überbrückt, unterstützt – aber es löst eben nicht alle Probleme bzw. befreit dich nicht aus der „Mutti-Mitdenk-Falle“ (die ich bewusst so nenne, weil kein Vater sich so eine Platte machen würde). Sobald du körperlich anwesend bist, bist du wieder the master of deasaster.

In diesem Sinne Shakaaaa, haut rein Mädels 💪🏼🤷🏻‍♀️🤪

Siehe auch: Unser Au Pair – das Desaster des Jahrhunderts

Gegendarstellung

Vor gut einem Jahr habe ich hier einen Artikel veröffentlich, der nach wie vor zu den meist gelesenen und meist kommentierten gehört: Unser Au Pair – das Desaster des Jahrhunderts. 

Vor wenigen Tagen kam ein Kommentar, den ich hier gerne prominenter platzieren möchte, weil er die andere Seite der Medaille zeigt und damit wirklich sehr interessant ist. Voilà:

Ich stelle mich erstmal vor: Mein Name ist Tsoa und ich komme auch aus Madagaskar.

Ich war ein Au-Pair-Mädchen in Deutschland 2015, und ich bin bisher immer noch im Kontakt mit meiner Gastfamilie. Ich mach eine Ausbildung als Krankenschwester und nach mein Au Pair Jahr haben sie noch ein Au Pair aus Madagaskar genommen. Also das war eine gute Erfarhung. Das Mädchen bleibt bei der Familie denn sie macht ein Studium. Also das war eine gute Erfahrung von beide Seiten.

Wenn ich hier bin das ist nicht zum Beschwerden, sondern für Sie handeln warum wir so kommich für die Deutschen. Ich war schon mal wie Faniry als ich hier als erstmal gekommen bin. Ich möchte sagen, dass ich Faniry nicht kenne.

Madagaskar gehört den armsten Länder in der Welt das wird von Tag zu Tag schlimmer seit 2009 wegen Korruption und politische Instabilität. Das Land befindet sich in einer Krise.

So wie die Armen Leute sind, bleiben wir bei Gott. Wir hoffen, dass unsere Unterstützung dem Gebet dient – und warum der biblische Austausch besser ist als das Teilen andere sachen. Und während wir uns den WORTEN zuwenden Bleiben Gott treu, bleiben die meisten Mädchen Jungfrau, bis sie Ihre Ehe gefunden wird. Wiel heirten zwichen 18-25 Jahre. Deswegen nutzen wir auch Binden wenn wir unsere Period haben. Tampons lohnt sich dann nicht.

Da man keinen Sex hat, ist es schwierig, Dann bekommen wir schmerzen jeden Monat.

Nicht jedes Haus hat Internet, aber Facebook kostet fast gach nicht deswegen haben wir Freunde (die meisten ab 200) denn es ist einfach für uns zu kommunizieren. Ja, wir können telefonieren, aber ich spreche von sozialen Netzwerken. Ihr könntet aber sagen (so war auch bei mir) dass Ihre möchtet nicht ein Bild von den Kindern im Facebook gepostet.

Wir sollen schon bevor wir einreisen Deustch sprache lernen, damit wir das Visum bekommen (es wird immer schwierig hab ich gehört) aber die Unterricht sind von Madagassich Lehrer mit Madagassich akzent und in Deutschland haben wir am anfangen , Probleme die Sprache zu verstehen. Einfach nur weil die Deutschen reden mit deutsch akzent und die sprache ist auch schwierig für uns. Wir sind es gewohnt, auf Französisch reden.

Ich folgere daher, warum sie nichts zu ihrer Ankunft nichts gesagt hat. Darüber hinaus lassen wir zum erstmal unsere Familie und unsere Heimat, wir fliegen zum erstmal mit dem Flugzeug weil fliegen kostet teuer. In all diesen Fällen sind die Emotionen vorüber: traurig weil wir verlassen unsere Familie die wir nicht wissen, wann wir uns wiedersehen werden. Aber auch der Traum wird Realität: fliegen und die Angst davor, sich v*erlieren während der Reise.

Wir fliegen ca11 Uhr und das ist schwer, und nach dem Flug sind wir müde aber auch aufgeregt wie die Gastfamilie aussieht. Deswegen sagen wir gach nicht, aber es ist alles in unserem Kopf.

Handy gehört zu unserem Bestfreund denn Eltern, machen sorge und Freunde Fragen wie toll Deutschland ist. Die sind alle verbunden im Facebook und möchten alles wiessen was hier los ist. 

Es ist schon dunkel um 18 Uhr in Madagaskar und Unsicherheit ist sehr gefährlich. Dies ist der Hauptgrund, warum junge Mädchen zu Hause bleiben und nicht auf das Wesentliche gehen. Natürlich gibt es auch viel Aktivität aber nür für die Leute die es leisten können. Also wir bleiben ruhig zu Hause.

Ich denke, dass Au Pair World ein gut Website ist, aber nur für die Familie, die vorher schön Au Pair haben und wissen was diese Program bedeutet. Manche Agentur sind sehr gut für „anfanger“ und die helfen die Gastfamilie Psychologisch wie sollen sind denn gut gehen mit dem Au Pair. Natürlich kostet die Anmeldung und die Beratung rund 280 Euro für jede Familie und nicht jeder kann es bezahlen 🙂

Jedenfalls sind nicht alle Mädchen aus Madagaskar so, und jeder ist anders. Aber eine paar Familie sind trozdem dankbar und zufrieden, viel bleiben bei der Familie egal ob wir billige fachkraft, babysitting und puztfrau, oder einfach dass wir angst haben unsere Visum zu verlieren weil es schwer ist.  

Danke

Unser Au Pair: das Desaster des Jahrhunderts 

Ich kann immer noch nicht fassen, dass es mit unserem Au Pair so in die Hose gegangen ist. Ein Deaster. Eine Vollkatastrophe. Wie konnte ich ein so fatal falsches Bauchgefühl haben?

Ich hatte Faniry (Name netterweise geändert…), 19, auf Aupairworld.com gefunden – eine sehr gute Seite, auf der Gastfamilien und Au Pairs Profile anlegen können und auf eventuelle „Matches“ aufmerksam gemacht werden. Der Service ist anfangs kostenlos. Sobald persönliche Nachrichten geschrieben werden, kostet es 40 Euro/ Monat. Alles fair. 

Faniry war mir aufgefallen, weil sie eine ellenlange Liste mit Kinder-Aktivitäten gepostet hatte. Sie könne die Kinder morgens anziehen, wickeln, Zähne putzen, Frühstück machen, usw usw. Im Grunde konnte sie laut Profil alles, was bei uns nötig war. Dazu sahen wir nur Fotos mit ihr und vielen Kindern. Sie habe vier Geschwister und kümmere sich häufig um die Babys und Kleinkinder ihrer Cousinen. Wir schrieben uns, wir skypten zwei mal. Sie wirkte fröhlich, ihr Deutsch ok, sie winkte den Kids zu und als ich fragte, ob sie sich drei kleine Kinder wirklich zutraue, erntete ich ein glaubwürdiges „ja“. Zumindest kam es mir damals so vor.

Ich hatte gelesen und von Bekannten gehört, dass Au Pairs aus Madagaskar sehr zuverlässig, kinderlieb und familiär seien. Top. Dass sie sehr häuslich seien auch. Da Faniry uns ständig Selfies schickte, auf denen sie gestylt und geschminkt war, redete ich mir das mit der Häuslichkeit gedanklich aus. Ihr Profil wirkte doch so weltoffen! Auch, dass sie auf ihrer Facebook-Seite fast nur Bibelsprüche postete, beunruhigte mich nicht. Besser so als eine totale Randale-Tussi, dachte ich. Mittlerweile weiß ich es besser.
Dummerweise buchte ich bei aupairworld auch den Visa Service. 180 Euro, damit mir jemand sagt, welche Unterlagen wir einreichen müssen. Ich hätte das auch locker selber rausfinden können, aber bei drei kleinen Kindern ist man ja froh, über alles, was einem abgenommen wird…. und nach 1 1/2 Monaten hatte Faniry das Visum in der Tasche und den Flug gebucht. 

Sie kam zwei Wochen vor meinem beruflichen Wiedereinstieg. Das sollte als Einarbeitung reichen, dachte ich. Ich muss fast ein bisschen lachen, wenn ich bedenke, dass sie an meinem ersten Arbeitstag schon gar nicht mehr da war. 

Ich hatte viel Zeit damit verbracht, ihr Zimmer aufzuhübschen. Mein Vater hatte mit mir ihr kleines Bad komplett neu eingerichtet, im Zimmer Schreibtisch und Schminkkommode (siehe gestylte Selfies) aufgebaut, ich war zu Saturn gefahren und hatte einen weißen Flachbildfernseher gekauft – 100x schicker als der Röhrenkoloss, den ich selbst im Schlafzimmer habe. Die Deko kam von Ikea: Blumen, Kissen, Decken. Ich druckte die Fotos von ihrer Familie aus, rahmte sie und hängte sie auf. Ich nötigte die Kinder, auf ein Plakat zu krakeln. Damit wollte ich sie am Flughafen begrüßen. Ich hatte mich schlau gemacht, über Deutschkurse an der VHS, über günstige Sportmöglichkeiten in Frankfurt (ihre Hobbys waren schließlich schwimmen und joggen), ich hatte sie versichert, ihr einen Schlüssel nachgemacht, eine SIM-Karte plus iphone klargemacht, ihr einen Reiseführer gekauft und einen Gutschein für dm, als kleine Begrüßung. Alter, ich habe mir so eine Platte gemacht für nichts und wieder nichts!!!

Am Tag ihrer Ankunft lies ich die beiden Großen bei uns daheim und brachte sie nicht in den Kindergarten. Ich nahm sie mit zum Flughafen, da ich wollte, dass Fanirys Ankunft locker und fröhlich beginnen konnte, Kinder sind bei Sprachbarrieren ja häufig ein wunderbarer Eisbrecher. Normalerweise zumindest. 

Soviel also zu den Wunschgedanken. Und nun zur Realität. 

Das Mädchen, das am Flughafen ankam, sah aus wie 12. Sie kam mit ihrem riesigen Koffer und blieb kurz nach der Schranke sofort stehen und wartete, bis wir auf sie zugingen. Zu den Kindern sagte sie überhaupt nichts, auf das Plakat warf sie nicht einen Blick. Geschenkt. 
Zuhause machten wir eine kleine Bescherung. Ich hatte für alle kleine Geschenke gekauft, es sollte einfach alles so positiv wie möglich beginnen. Dabei erzählte sie mir von einer körperlichen Einschränkungen, die schneller wieder ans Tageslicht kam, als vorher gedacht: Am ersten Tag ihrer Periode hätte sie starke Schmerzen. Da könne sie nichts machen. Manchmal auch am zweiten und dritten. Aha… und wann sei es wieder so weit? (In Gedanken schon in der Apotheke). Erst in zwei Wochen. Na dann… 

Ich hatte mir vorgenommen, sie die erste Woche nur zugucken zu lassen. Ich wollte sie nicht überfordern. Aber irgendwann wurde es einfach offensichtlich, dass das nichts werden konnte. Sie sprach nicht ein Wort mit den Kindern. Sie versuchte es nicht einmal. Stattdessen schaute sie ständig ins Handy. Am Abendbrottisch, am Sandkasten, im Garten, auf dem Spielplatz. Das nervte mich so sehr, dass ich es gleich am zweiten Tag ansprach. Es besserte sich mäßig. Sie war extrem schüchtern, ich würde sogar sagen überängstlich. Irgendwann redeten wir nur noch auf französisch, um überhaupt irgendwie zu kommunizieren. Ich sagte ihr, dass sie mit den Kindern reden müsse. Sie sagte, sie kenne die Worte nicht. Ich (100x): Das ist den Kindern doch egal, sie könnte selbst chinesisch mit den Kindern reden und es würde ihnen gefallen. Es besserte sich nicht.

Sie war die Unselbständigkeit in Person. Sie wusste nicht, wie man den Wasserhahn auf kalt dreht. Sie bollerte mit dem Kinderwagen gegen jeden Kantstein. Sie bekam es nicht gebacken, die Haustür aufzuschließen. Sie ging alleine nie nach draußen, weil sie Angst hatte, sich zu verlaufen. Sie saß nur im Bett und surfte in ihrem PC. Irgendwann war mir klar: ein Monatsticket für die Bahn ist verschenkt hoch zehn! Sportliche Angebote-niemals würde sie sie wahrnehmen! Einmal ließ ich sie mit den Großen allein (drehte für 40 Min eine Runde mit dem Baby), weil ich dachte: Vielleicht fühlt sie sich beobachtet? Vielleicht conntectet sie mit den Kids so besser? Ich kam wieder und alle hockten oben vor dem Fernseher. Dass die Große eine volle Windel habe, teilte sie mir noch mit. 

Ich war echt schockiert. Ich hatte das Gefühl, dieses Mädchen machte nur das, was ich EXPLIZIT und WORTWÖRTLICH vorher gesagt hatte und dachte ÜBERHAUPT nicht mit. ZB: Ich zog alle drei Kinder an, es war das reinste Chaos. Sie stand wie ein Stock daneben. Ich musste mich arg zusammenreißen. 

So langsam schwante mir, dass ich sie niemals mit meinen drei Kindern alleine lassen konnte… aber gut, eine Chance sollte sie noch bekommen. Einen konkreten Arbeitsauftrag. Wir baten sie, am (morgigen) Sonntag Brötchen holen zu gehen. Der Bäcker ist direkt gegenüber. Unseren Großen könne sie gerne mitnehmen. 
An dem besagten Sonntag kam sie nicht aus dem Bett. Ich lag in der Früh noch im Delirium wegen durchwachter Baby-Nacht. Da weckte mich mein Mann: Faniry säße auf der Treppe und hätte etwas. Wolle aber nur mit mir darüber reden… Was war los? Sie habe ihre Tage. Sie habe solche Schmerzen, dass sie wahrscheinlich nicht mal zur Kirche gehen könne (geschweige denn zum Bäcker). Ob ich einen Tampon habe? Ich gab ihr welche. Als ich ihr eine Stunde später einen Tee brachte, hielt sie mir den ausgepackten Tampon vor die Nase. Wie man das denn mache? 

Ich hatte das Gefühl, eine 12jährige vor mir zu haben. Lange Rede, kurzer Sinn: Sie traue sich das mit dem Tampon nicht. Was nehme sie denn normalerweise? Binden. Und wo seien die jetzt? Alle. Aha… ich weiß, dass Tampons in manchen Kulturen kein Thema sind, aber mir kam das alles so abstrus vor, dass ich mir gleich einen Stuhl ans Bett stellte und eine Grundsatzrede hielt. Dass ich das Gefühl habe, ihr Profil im Netz und die Person, die sie hier ist, das seien zwei verschiedene Menschen. Sie rede nicht mit den Kindern. Wie wolle sie sich Respekt verschaffen, wenn es drauf ankäme? Im Straßenverkehr? Wenn alle drei brüllen, aus welchen Gründen auch immer?!? Sie solle sich überlegen, ob das Programm Au-Pair wirklich das richtige sei. Bei der Gelegenheit klärten wir auch, dass sie praktisch nie jogge und vielleicht drei mal im Leben schwimmen war. So viel zum glaubwürdigen Profil…

Am nächsten Tag sagte sie mir, dass sie es mit drei Kindern nicht schaffen würde. Ich denke, sie ist auch mit einem Kind gnadenlos überfordert, aber sie entschied sich, eine neue Familie zu suchen. Zurück nach Madagaskar wolle sie auf keinen Fall. Ihre Familie solle nicht erfahren, dass sie wechseln würde. Und außerdem habe sie ja nun das Visum. 

Die kommenden Tage waren für mich nur noch schwer zu ertragen. Einmal sollte sie noch kurz auf die Großen aufpassen – als ich kam, hockte sie wieder oben in ihrem Zimmer, die Kinder spielten unten im Wohnzimmer. Ich ließ sie schließlich gar nichts mehr machen, was irgendwie mit Kinderbetreuung zu tun hat. Es beschränkte sich auf kleine Hilfen im Haushalt. Mal Wäsche zusammen legen, das Wohnzimmer saugen… ich kam mir irgendwann nur noch wie eine Hausherrin vor (Horror!), aber so hatte ich wenigstens ETWAS Hilfe im Haus. 

Sie hatte keine Probleme, eine neue Familie zu finden. Sie hatte gleich mehrere Optionen und ich wundere mich bis heute, dass keine dieser Familien vorher bei uns anrief. Denen hätte ich was erzählt! 

Faniry redete nun wirklich gar nicht mehr. Sie kam zum Essen, stand wieder auf und verschwand. Ich fand das alles unerträglich und war so froh, als sie endlich, zwölf Tage nach ihrer Ankunft, im Zug nach Augsburg saß.

Der Tag ihrer Abreise hatte fast ein bisschen Symbolcharakter: Die ganze Familie war dank Magen-Darm dahingerafft. Ich schlief, als ihr Taxi kam (Bus traute sie sich natürlich nicht). Mein Mann kümmerte sich um die drei kranken Kinder. Ob er sie zum Bahnhof bringen könne? Ihr Koffer sei so schwer…

Ein paar Tage später habe ich noch einmal auf ihre Facebook-Seite geschaut. Sie hatte ein Foto meiner Kinder zu ihrem Profilbild gemacht. Sie standen auf einem Klettergerüst, für das Foto (von mir geschossen) hatte sie sich dazugestellt. Anschließend saß sie wieder auf der Bank und redete kein Wort. Immerhin: Das Foto hatte ihr 190 Likes gebracht. 

(Ergänzung, gute drei Monate später): Unser altes Au Pair hat mittlerweile noch vier mal die Familie gewechselt, wir starten bald einen neuen Versuch mit einem Au Pair aus Albanien. Ich berichte!